Die SPD im Landkreis Nordsachsen

Heiko Wittig ist "kein Freund halber Sachen"

Wahlen

Im Gespräch mit der "Torgauer Zeitung" (Donnerstagsausgabe) stellt SPD-Bundestagskandidat sich und seinen Antrieb vor, ab 22. September 2013 Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Nordsachsen zu werden. "Ich bin kein Freund halber Sachen", sagt der langjährige Kommunal- und Kreispolitiker Redakteurin Eileen Jack.

Schloss Hartenfels ist für SPD-Bundestagskandidat Heiko Wittig der schönste Platz in der Region Torgau. Die Architektur ist atemberaubend und die Bedeutung des Schlosses nicht minder. Am wichtigsten aber ist, „von hieraus wird über die Entwicklung des Landkreises Nordsachsen entschieden“, erklärt er, der als Fraktionsvorsitzender im Kreistag seit vielen Jahren mitentscheidet. Und obwohl der Löbnitzer das Schloss derart liebt, hat er erst gemeinsam mit der Torgauer Zeitung im Rahmen dieses Gesprächstermins den Hausmannsturm zum ersten Mal bestiegen und die Aussicht von diesem, den weiten Blick über Torgau und darüber hinaus genossen. Zwei Hobbys hat Heiko Wittig – den Fußball und die Politik. Während er Ersteres nur noch theoretisch betreibt, will er Letzteres jetzt zu seinem Beruf oder vielmehr zu seiner Berufung machen. Wenn der 49-Jährige etwas in Angriff nimmt, dann richtig. Das war schon immer sein Credo, so hat er es von seinen Eltern und Großeltern beigebracht bekommen.

Diese Einstellung zum Leben hat dem engagierten SPD-Politiker in den vergangenen Jahrzehnten aber nicht immer nur Freunde eingebracht. Und dennoch hält Wittig daran fest. Bereits bei seiner Berufswahl wurde das deutlich. Schon als kleiner Junge wusste der Löbnitzer genau, dass er später einmal unterrichten wolle. „Schuld“ war sein Onkel, ein Lehrer. Beim ihm verbrachte der kleine Heiko dazumal viel Zeit wegen der Berufstätigkeit seiner Eltern. „Als er nachmittags nach Hause kam, haben wir oft Schule gespielt. Ich war dann natürlich der Lehrer“, erzählt Heiko Wittig und kramt eine lustige Geschichte mit seiner Oma aus dem Gedächtnis. „Sie war damals schon ziemlich alt und etwas korpulenter. Ich hatte für meine ganze Familie Sportunterricht angeordnet und wollte die Zensuren natürlich auch in das Klassenbuch eintragen, dass ich mir angelegt hatte. Bei meiner Oma trug ich unter der Kategorie Liegestütze eine Eins ein. Als mein Papa nach Haus kam, war er sehr verwundert und wollte es gar nicht glauben. Ich habe ihm das verständlich gemacht, dass er der Oma das ruhig mal zugestehen muss, dass sie auch, ohne die Übung zu machen, eine Eins bekommt“, lacht Heiko Wittig.

Im Jahr 1983 machte Heiko Wittig schließlich sein Abitur, begann im Anschluss ein Studium zum Diplompädagogen und begann 1990 als Lehrer in seinem Heimatort Löbnitz. Damals unterrichtete er Geschichte und Gemeinschaftskunde. Zwei Jahre später wechselte er zur Mittelschule nach Reibitz, und mit der Änderung der Schullandschaft zog auch Heiko Wittig weiter, und zwar an die Mittelschule in Krostitz. Hier unterrichtete er bis 2011, dann ließ er sich beurlauben. Heiko Wittig musste sich entscheiden. Seit 2008 war er bereits Vorsitzender und Geschäftsführer der nordsächsischen SPD-Fraktion im Kreistag. Seit diesem Zeitpunkt arbeitete er bereits nur noch halbtags als Lehrer, um auch die politischen Aufgaben meistern und abarbeiten zu können. „Dann wurde mein Vater schwer krank und wir als Familie entschieden, ihn zu Hause zu pflegen“, erzählt der Bundestagskandidat. Die Pflege des geliebten Vaters und die Politik spannten ihn inzwischen so sehr ein, dass er sich entschied, den Lehrerberuf zumindest zeitweise an den Nagel zu hängen. Eine Option, in diesen zurückzukehren, schließt Heiko Wittig nicht gänzlich aus.

Auch beim Fußball wusste Heiko Wittig ziemlich schnell, was er wollte und konnte und vor allem, was er, daraus zu machen, bereit war. Als Kind begann der heutige Präsident des Nordsächsischen Fußballverbandes – auch wenn das Amt derzeit ruht – gegen den Ball zu treten oder vielmehr diesen als Torhüter zu fangen, damals noch angeleitet von seinem Vater, der als Trainer tätig war. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich nicht der begabteste Fußballer bin“, erinnert sich Heiko Wittig im Gespräch mit der Torgauer Zeitung. Da sein Herz aber an der Sportart hing, versuchte er sich als Schiedsrichter, pfiff einige Spiele der Mannschaft seines Vaters. Im Alter von 14 Jahren hat er dann schließlich seine Prüfung als Unparteiischer abgelegt und pfiff ein Jahr später sogar schon bei den Spielen der Männer. „Mit 17 Jahren wurde ich in die Bezirksklasse eingestuft, mit 19 dann schon in die Bezirksliga. Und 1989 stand ich kurz vor dem Sprung in die DDR-Liga“, so Heiko Wittig. Doch mit der politischen Wende sollte sich auch im Fußball einiges ändern. Die Landesligen wurden gegründet. Und so wurde der Löbnitzer gemeinsam mit dem Dommitzscher Lothar Forstner als erste Schiedsrichter der Region in die Landesliga berufen. „Ein Jahr später kam dann auch Andreas Heinrich dazu“, erinnert sich Wittig. In diesem Jahr ist er bereits in die Oberliga aufgestiegen,  die dritthöchste Liga damals. Nun war der Profibereich das Ziel. „Bei einem Lehrgang aber habe ich gemerkt, dass es Bessere gab als mich, die zudem noch jünger waren“, sagt Heiko Wittig. Schiedsrichter blieb er, der bereits seit seinem 22. Lebensjahr als Schiedsrichter-Obmann im Altkreis Delitzsch fungierte, dennoch. Und auch für seinen Fußballverein in Löbnitz gab er alles. Im Alter von 20 Jahren wurde er bereits in den Vorstand der damaligen BSG Traktor Löbnitz aufgenommen. Dieser Posten war es dann auch, der den Grundstein für seine politische Karriere legte.

„1990 schlug jemand aus dem Verein heraus vor, einer müsse für den Gemeinderat kandidieren, um dort mitreden, mitentscheiden zu können. Man kam auf mich und ich sagte zu“, erzählt Heiko Wittig. Allerdings war er dazumal fest davon überzeugt, dass er, der gerade mal 26 Jahre jung war, ohnehin nicht genügend Stimmen bekommen würde. Er sah sich getäuscht. Angestachelt von der Chance, Politik zu machen und nicht nur übergestülpt zu bekommen, setzte sich Heiko Wittig das Ziel, zur nächsten Gemeinderatswahl 1994 eine eigene Liste aufzustellen, gemeinsam mit 15 weiteren Freunden. „Nun stand die Frage, für welche Partei wir antreten, da nicht alle aus dem Sportverein kamen. Schließlich fragte ich die Mitstreiter: Ihr seid doch alle sozial eingestellt. Was haltet ihr davon, wenn wir für die SPD antreten?“, erzählt Wittig, dem das Parteiprogramm der SPD damals am ehesten zusagte. Und obwohl die ganze Gruppe vorerst parteilos blieb, ließ sie sich für die SPD aufstellen. Eine Bedingung aber stellten die Freunde an Heiko Wittig – einer müsse sich auch für den Kreistag stellen. Letztendlich blieb ihm keine Wahl. „Und plötzlich war ich im Kreistag, saß in der letzten Reihe“, schmunzelt Wittig. Ein Jahr später trat Landrat Michael Czupalla schließlich an den SPD-Abgeordneten heran und bat ihn, den Posten des scheidenden Vorsitzenden des Schulausschusses zu übernehmen. Das passte – Wittig als Lehrer, der die Probleme, Sorgen und Nöte aus erster Hand kennt, als Chef des Schulausschusses im damaligen Landkreis Delitzsch-Eilenburg. „Ich sagte zu. Und seitdem habe ich das Amt bis heute inne.

Nach jeder neuen Wahl bat mich der Landrat, den Posten weiter zu übernehmen“, erzählt Heiko Wittig auch ein wenig stolz. Und weil er, wie eingangs erwähnt, kein Freund halber Sachen ist, trat der Löbnitzer schließlich 1997 auch als Mitglied in die SPD ein. Im Jahr 2009 kandidierte Heiko Wittig dann schon einmal für einen Parlamentssitz außerhalb des Landkreises, nämlich für den sächsischen Landtag. Damals konnte er auf das drittbeste Ergebnis für die SPD in ganz Sachsen verweisen. Immerhin 20 Prozent der Wähler hatten ihm damals mit ihrer Erststimme das Vertrauen ausgesprochen. Gereicht hat es trotzdem nicht. „Als im Jahr 2011 klar war, dass Manfred Kolbe, den ich im Übrigen sehr schätze, nicht wieder für den Bundestag antritt, sah ich meine Chance, ihn zu beerben“, sagt Heiko Wittig, und entschied sich endgültig für die Kandidatur. In all den Jahren in der Kommunalpolitik hat Heiko Wittig immer wieder feststellen müssen, wie sich die Bundespolitik in vielfältigster Weise auf die Arbeit vor Ort niederschlägt. Und genau deshalb will er an eben dieser Stelle eingreifen, die Interessen der Kommunalpolitik, speziell auch der Nordsachsen in Berlin vertreten.

 
 

Counter

Besucher:400068
Heute:153
Online:4
 

Mitglied werden in der SPD