Die SPD im Landkreis Nordsachsen

Der doppelte Kreyßig

Kommunales

Vater Thomas und Sohn Uwe Kreyßig engagieren sich seit der Wende ununterbrochen im Tauchaer Stadtrat

 

Taucha. Weil schon immer in der Familie über Politik diskutiert wurde, war es fast schon folgerichtig, dass die erste Wahl nach der Wende in Taucha bei Thomas und Uwe Kreyßig auf großes Interesse stieß. „Wir wollten nicht nur am Küchentisch über die notwendigen Veränderungen im Land reden, sondern mitwirken“, blickt Thomas Kreyßig zurück. Und so bewarben sich der damals 46-jährige Konditormeister und sein 20 Jahre jüngerer Sohn im Mai 1990 um Mandate für den Stadtrat. Beide erhielten bei dieser ersten Wahl nach der Wende ausreichend Stimmen. So wie auch bei den dann folgenden sechs Wahlen. Und wenn nun am 15. August Tauchas frisch gewählter Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt, dann wird das Vater-Sohn-Gespann Kreyßig erneut dabei sein, in seiner dann siebten Wahlperiode.

Der erste Abgeordnetenausweis war noch einer mit DDR-Wappen. Denn die erste Stadtratswahl der Neuzeit fand gut fünf Monate vor der Wiedervereinigung statt. Für die nächsten Legislaturperioden gab es dann jeweils eine Verpflichtungsurkunde. „Ich habe meinen ersten Ausweis nicht mehr“, gesteht Uwe Kreyßig. Die Erinnerungen an die Anfangszeit seien allerdings noch frisch: „Diese Wendezeit war aufregend und spannend. Es war alles völlig neu und sehr interessant. Vorher war ich in keiner Partei, nun wollte ich mich aber selbst politisch engagieren.“ Die Familie sei schon immer politisch gewesen: „Wir hatten viele Westverwandte, auch deshalb wurde immer debattiert, was mal wird, wie es weitergehen soll.“ Und weil die dann absehbaren gesellschaftlichen Umwälzungen sozial gerecht vonstatten gehen sollten, habe es ihn wie seinen Vater zu den Sozialdemokraten gezogen. Ein anderer Grund war: „Ich habe oft im Westfernsehen Bundestagsdebatten verfolgt. Herbert Wehner, Willy Brandt und Helmut Schmidt haben mir einfach imponiert und wurden für mich als Politiker Vorbilder.“

Vater Thomas hat alle Dokumente, auch seinen ersten Ausweis, gemeinsam mit den Unterlagen zur Gründung der Taucher SDP-Ortsgruppe, wie die Sozialdemokraten in der zu Ende gehenden DDR-Zeit ihre neue Partei nannten, fein säuberlich abgeheftet. Zeugnisse eines historischen Umbruchs von der Wende 1990 bis heute. Der nun 75-Jährige erinnert sich: „Wir sind 1989 regelmäßig zu den Montagsdemonstrationen nach Leipzig gefahren. Wenn ich an die entscheidende Demo am 9. Oktober mit über 70 000 Teilnehmern über den Leipziger Ring denke, dann bekomme ich heute noch Gänsehaut und Tränen in den Augen“, erzählt der Senior und stockt kurz, ehe er wieder gefasst fortfährt: „Der über den Stadtfunk verbreitete ,Aufruf der Sechs’ löste die Spannung und war ermutigend, auch für den friedlichen Verlauf. Dazu die vielen Kerzen am Stasi-Quartier vor der Runden Ecke, die Rufe ,Gorbi, Gorbi’ oder ,Keine Gewalt’ und ,Wir sind das Volk’ – diese Atmosphäre während der Demo zwischen anfänglicher Furcht vor den bereitstehenden Kampfgruppen und Polizei-Einheiten einerseits und andererseits dem Willen, etwas verändern zu wollen, egal was kommt, bleibt unvergessen.“ Kreyßig Junior, als Konditor in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters getreten, absolvierte zu dieser Zeit gerade seinen Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee, war mit 26 noch auf den letzten Drücker eingezogen worden.

Nach einem Friedensgebet in der Tauchaer St. Moritz-Kirche fanden sich die Mitbegründer der Tauchaer SDP zusammen, die nach Beratungen in Kreyßigs Büro am 24. November 1989 im Diakonat die Ortsgruppe aus der Taufe hoben. Die politische Arbeit in Gremien war Kreyßig nicht fremd. Seit 1977 arbeitete er als selbstständiger Konditormeister und wollte schon zu DDR-Zeiten etwas für den Mittelstand erreichen. Als Mitglied der damaligen NDPD war er im Kreistag des Landkreises Leipzig in der ständigen Kommission für Öffentliche Versorgungswirtschaft vertreten. „Ich bin dann aber raus, konnte die Selbstbeweihräucherung mit den ganzen angeblichen Planerfüllungen nicht mehr hören. Dafür war mir die Zeit als Handwerker zu schade. ,Wo sind sie denn, die ganzen Produkte?’, habe ich gefragt. In den Läden war davon nichts zu sehen.“

Wenn Kreyßigs nun auf ihre inzwischen 29-jährige Abgeordnetenzeit in Taucha zurückblicken, dann sehen sie vor allem die gute Entwicklung der Stadt. „So viele falsche Entscheidungen haben wir wohl im Stadtrat nicht getroffen. Die Ansiedlungen gleich nach der Wende, die Entwicklung des Gewerbegebietes An der Autobahn, der Ausbau der Schul- und Kindergarten-Landschaft, die Gründung der städtischen Gesellschaften, der Erhalt des Parthebades – alles Themen, für die wir uns mit eingesetzt haben“, zählt Uwe Kreyßig auf. Er selbst arbeitet seitdem ununterbrochen in der ersten großen Ansiedlung nach der Wende in Taucha: als Betriebsratsvorsitzender beim Arzneimittel-Vertreiber Noweda. Auch dort behält er die sozialen Belange im Blick, wie auch in der Stadtpolitik: „Uns ist wichtig, das auch die ältere Generation nicht vergessen wird und dass es in der Stadt weiterhin bezahlbaren Wohnraum gibt“, sagt Uwe Kreyßig.

Seinem Vater ist die Feststellung wichtig, dass alle wichtigen Entscheidungen für die Entwicklung der Stadt fraktionsübergreifend beschlossen und mitgetragen wurden. „Die Diskussionen mit teils unterschiedlichen Standpunkten fanden in den Ausschüssen statt. Doch man hat sich immer einigen können, mir war es manchmal schon peinlich, wenn dann in öffentlicher Stadtratssitzung meist einstimmig ohne weitere Diskussionen die Beschlüsse gefasst wurden. Da konnte man fast denken, dass das wie zu DDR-Zeiten ist“, gibt Thomas Kreyßig zu. Doch auch für die neue, jetzt beginnende Legislaturperiode wünscht er sich: „Sachliche Diskussionen zu kommunalpolitischen Themen und weiter fraktionsübergreifend Dinge für Taucha auf den Weg bringen.“ Sein Sohn ergänzt: „Ein parteipolitisches Klein-Klein gab es nicht, ich hoffe, das bleibt so.“ Für mehr Polizeipräsenz und eine Lösung der Verkehrsprobleme in Taucha wollen sich beide unter anderem einsetzen. Und über mehr Interesse seitens der Bürger an der Stadtpolitik würden sie sich freuen. „Meist kommen die Leute nur in die öffentliche Sitzung, wenn ein Thema sie unmittelbar betrifft“, moniert Uwe Kreyßig.

Die SPD hat wegen 100 fehlender Stimmen einen Platz im Stadtrat verloren, ist jetzt dort noch zu viert vertreten. So viele Plätze könnte auch die AfD belegen, hätte sie nicht bloß den einen Kandidaten aufgestellt. Dieser erreichte mehr Stimmen als die SPD zusammen. „Das war zu ahnen angesichts der Stimmung im Land. Das hat mit der Stadtpolitik nichts zu tun. Wer unbedingt AfD wählen wollte, hat eben diesem Kandidaten die Stimme gegeben. Warum? Die Menschen schimpfen pauschal über alles. Wird man konkret, blocken sie ab“, beschreibt Thomas Kreyßig seine Erfahrungen. Er bleibe auch nach dieser Wahl dabei, dass mit jedem gewählten Abgeordneten im Stadtrat zusammengearbeitet, jeder mit einbezogen wird.

Dem stimmt Uwe Kreyßig zu: „Das ist wichtig und demokratisch, gerade der AfD-Abgeordnete ist von so vielen Bürgern gewählt worden, da muss man ihn genauso wie auch die Freien Wähler, die ebenfalls neu vertreten sind, mit in die Verantwortung nehmen. Schließlich geht es um die Stadt, nicht um Parteipolitik.“ Dass Thomas Kreyßig selbst im fortgeschrittenen Alter noch einmal kandidierte, habe damit zu tun, dass ihn viele Menschen vorher ermutigt und aufgefordert hatten, weiter zu machen. „Aber ich habe auch noch Lust und traue es mir zu, sonst wäre ich nicht angetreten.“

 
 

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